krissigoestokenya

Meine Zeit in Afrika
 

Letztes Feedback

Meta





 

Archiv

Ankommen

p { margin-bottom: 0.25cm; line-height: 120%; }

04.08.2015, Dienstag
Ich bin einfach nur müde. Im Flieger war ich noch mega nervös meine Familie kennnenzulernen, als wir hier an der Wohnung ankamen war mir alles egal! Der Flug war echt heftig anstrengend, auch wenn wir voll das Luxus-Flugzeug hatten. Zumindest auf dem Weg von Frankfurt nach Abu Dhabi hatte jeder ein extra Nackenkissen, eine Decke, einen eigenen Fernseher und es gab für jeden eine Schlafmaske, Oropax, eine Zahnbürste, die hat zwar ultra gestunken, aber was soll's & Socken! Die haben tatsächlich jedem ein Paar Socken geschenkt, wo gibt’s denn sowas ?! Aber schlafen konnte man in dem Ding natürlich nicht..
Als wir in Nairobi gelandet sind, waren Ina und Ich beide ziemlich durch den Wind. Es haben uns dann eine Mitarbeiterin von RealStars, der Organisation, bei der wir das nächste halbe Jahr arbeiten werden, und die Nichte von Rose, Samara, abgeholt. Rose war noch irgendwo unterwegs, kam nach 15 Minuten ungefähr dann aber auch und hat uns nach Hause gefahren. Die Autofahrt war super lustig, weil Samara einfach durchgehend am Reden ist. Sie ist 10 und echt süß. Aber ich glaub auch richtig anstrengend. :D
Wir sind dann noch kurz am RealStars Büro vorbeigefahren, was echt schön ist und dann weiter zu unseren Familien oder halt eben auch zu der Familie. Rose hatte uns vorher gesagt, dass wir in 2 unterschiedliche Familien kommen, aber als wir dann hier waren, zeigte Samara uns unser Zimmer, was wir uns teilen sollen. Es ist ungefähr 9 m² groß und viel mehr als unser Hochbett und ein kleiner Schrank passt hier auch nicht rein. Das Badezimmer ist direkt nebenan, es gibt eine große Dusche und ein Klo, aber Wasser gibt es auch nicht immer, sprich alle machen in die Toilette und keiner drückt ab. Das Waschbecken ist draußen zwischen Küche und unserem Zimmer mitten im Raum. Ach, und wir müssen per Hand waschen, weil es keine Waschmaschine gibt. Karibu Kenya! Direkt die volle Ladung Afrika.
Als wir ankamen, war noch niemand im Haus und eins unserer Betten war offenbar bewohnt, also konnten wir noch gar nichts machen. Wir sind dann nach 1 Stunde ca. zu Rose gegangen, die diret nebenan wohnt, und haben Chaitee getrunken und Süßkartoffeln und Zitronenkuchen gegessen. Es war noch Linda, eine Freiwillige vom letzten halben Jahr, mit ihrer Mutter da. Die beiden reisen in 10 Tagen ab. Genau wie Annka und Michael, die wir nachher in unserer Wohnung kennengelernt haben. Als wir zurückkamen, kam nämlich auch unsere Gastmutter Alice, die wirklich mega nett ist, und die beiden Deutschen. Annka wohnt hier seit über 5 Monaten und reist auch in 2 Wochen wieder ab. Michael ist ihr Freund und hatte sich in unserem Zimmer eingenistet, bis wir da waren. Die beiden sind echt super nett! Unser Gastvater kam nachher auch noch, aber ich hab seinen Namen vergessen und unser Gastbruder ist 16, heißt Chris und ist komplett desinteressiert. Der redet wirklich kein Wort mit uns. Ich hoffe mir seiner Schwester wird das anders. Die ist 20 und studiert, hat aber bald Semesterferien und kommt dann nach Hause.
So viel für heute, fühl mich hier ganz gut und mal gucken, wie es morgen wird.



05.08.2015, Mittwoch
Heute war nicht viel los, wir sollten erstmal ankommen und uns ausruhen. Jane, auch eine Sozialarbeiterin hat uns so gegen 1 abgeholt, damit wir eine SIM-Karte für Ina holen können. Ich hab gestern die Alte von Annka bekommen, also brauchte ich keine mehr. Tja, das hat leider nicht geklappt, weil man zum Registrieren einer neue SIM-Karte seinen Reisepass braucht und wir wussten das nicht, also hat Ina ihren nicht mitgenommen. Ich wollte dann noch Oropax kaufen, weil es hier echt ultra laut ist. Die Wände sind soo dünn, wenn die in der Küche reden, versteht man in unserem Zimmer jedes Wort und wir wohnen relativ nah an einer großen Straße. Wenn man im Bett liegt, denkt man, man liegt direkt im Seitengraben einer Hauptstraße. Das ist echt schlimm, ich hab auch letzte Nacht ziemlich bescheiden geschlafen, obwohl ich totmüde war. Nur Oropax gibt es hier wohl irgendwie nicht, wir waren extra in 2 Supermärkten, wo so Security-Leute einen mit einem Gerät erstmal abtasten, bevor man rein darf. Wie im Flugzeug. Ich werde Sven morgen mal fragen, ob er weiß, wo ich die Dinger herbekommen kann. Morgen werden wir Sven treffen, der mit seiner Familie seit 2008 in Kenia lebt und ich freu mich da schon richtig drauf. Wir haben mir ihm schon E-mails geschrieben und da war er mega nett!
Nachdem wir also einkaufen waren, sind wir ins Büro gegangen, wo wir gegessen haben. Das war heftig! Ich weiß nicht genau, was das war, irgendso ein Brei aus Bohnen, Mais, Fleisch und Krautsalat.. echt mies das Zeug und dann auch noch eine Portion.. ich hab vielleicht 1/5 aufgekriegt. Ich kam mir soo doof vor, als ich den randvollen Teller wieder abgegeben hab, aber ich war wirklich richtig satt & hätte nicht mehr runterbekommen. Rose meinte dann, dass sie nicht will, dass das weggeschmissen wird und hat unser angebrochenes Essen mit unseren benutzten Löffeln draußen irgendwelchen Kindern gegeben. Da hatte ich zum ersten mal das Gefühl, dass ich jetzt weiß, was ein Kultur-Schock ist! Ja und dann saßen wir im Büro nur rum & haben uns die Karteien der Patenkinder von RealStars durchgelesen. Elizabeth, die uns gestern auch abgeholt hat, hat uns extra den Ordner mit den Patenkindern von Beate und Gerhardt gegeben.
Richtig interessant war allerdings der Rückweg. Man läuft ca. 30 Minuten zu unserer Wohnung und überall sind Menschen! Den ganzen Weg entlang sind am Straßenrand entweder kleine Geschäfte, wo Menschen vor sitzen oder die haben ihre eigenen Stände mit Bananen, Schuhen, Elektroniksachen.. alles dabei. Das ist wie am Trödelmarkt, nur dass die Menschen hier damit ihr Geld verdienen. Plötzlich lief ein kleiner Junge neben mir her. Er war vielleicht 7 oder 8 Jahre alt und sah ziemlich dreckig aus, seine Klamotten waren kaputt und die FlipFlops doppelt so groß, wie seine Füße. Er hat irgendwas aus Kiswahili zu mir gesagt, was ich nicht verstanden hab, aber ich denke er hat gebettelt. Ich wusste überhaupt nicht, was ich machen sollte, also hab ich ihn nur angelächelt und nichts gemacht. Das tut mir mega leid, aber ich wusste in der Situation wirklich nicht, wie ich reagieren sollte und die ganzen Leute um ihn herum haben ihn auch überhaupt nicht beachtet.
Bin mal gespannt, wie das so wird, wenn wir in den Slum gehen. Rose hat uns nämlich gestern gesagt, dass wir nicht nur bei RealStars arbeiten, sondern auch noch in einer Schule im Slum und in einem Waisenhaus für Kleinkinder und Babys, so wie ich das verstanden hab.
Die ganze Armut zu sehen und zu ertragen ist eine Sache, aber wie man damit auch noch richtig umgehen soll, ist mir ein Rätsel. Ich hoffe ich krieg das einigermaßen hin.

2 Kommentare 7.8.15 15:58, kommentieren

Alles so anders..

p { margin-bottom: 0.25cm; line-height: 120%; }

06.08.2015, Donnerstag
Heute war nicht viel los, wir sind zum Office gelaufen um uns mit Sven zu treffen. Jane wollte uns um 9 abholen, damit wir uns um 10 mit Sven treffen können. Jane kam dann erst um 10 und Sven sogar erst um 11 & keiner meldet sich mal. War voll okay, weil wir schon wussten, dass hier „pünktlich“ mindestens eine halbe Stunde zu spät ist und ich ja auch nicht grad de pünktlichste bin, hab ich also glaub ich kein großes Problem mit, aber es ist auch gewöhnungsbedürftig. Das ist echt etwas, das mir was zu schaffen macht. Hier sind Dinge in der Kultur, die man weiß und auch gar nicht unbedingt schlecht findet und trotzdem ist das super anstrengend, weil es einfach anders ist. Man ist sich bei den einfachsten Dingen Zuhause hier plötzlich mega unsicher, weil sie hier einfach anders sind. Beispiel: Man darf einem Mann als Frau nicht direkt in die Augen schauen, das verstehen die als eindeutiges Zeichen, dass man was von denen will. Da will man nur höflich sein, wenn man mit ne'm Mann redet und den auch angucken, dann denken die direkt man wär' leicht zu haben. Wenn man irgendwo hinläuft, passt man die ganze Zeit auf, dass man keinem direkt ins Gesicht guckt. Gar nicht so einfach, wenn die dich alle anstarren. Oder man soll sich auf der Straße nicht anquatschen lassen, weil die Menschen hier, die einen ansprechen auch meistens Hintergedanken haben. Wenn wir die ansprechen, ist das okay, aber wenn das andersrum ist, versuchen die meistens einen irgendwie abzulenken um einen abzuziehen. Man will den Menschen hier gegenüber offen und freundlich begegnen, aber wenn man sich nicht anquatschen lassen soll, und es sprechen einen ständig mehrere Leute an, sobald man auf der Straße ist, ist man doch einfach nur unfreundlich. Wir passen so nur auf uns auf, aber ich fühle mich unwohl dabei. Und das waren jetzt nur 2 von vielen Dingen, die hier echt anders sind, als Zuhause und wo man sich so verhalten soll, wie man das Zuhause in Deutschland normalerweise nie machen würde. Man muss die ganze Zeit so auf sein Verhalten achten, dass man bloß keine Fehler macht, dass die alltäglichen Dinge echt anstrengend werden. Zumindest jetzt am Anfang noch. Ich hoffe so, dass sich das in ein paar Wochen anfängt zu bessern.
Das führt auf jeden Fall dazu, dass ich hier eigentlich dauernd müde bin. Ich dachte das wäre in Deutschland schon so, aber hier hat meine Müdigkeit ein neues Level erreicht. Die letzten Tage, und heute war es ganz extrem, bin ich ab 1 oder 2 Uhr Mittags fix und fertig.
Haben uns wie gesagt mit Sven getroffen und sind mit ihm zu einer großen Mall gefahren. Alles ziemlich westlich hier, es gibt gute Cafés und Restaurants, wo man auch alles essen darf. Eigentlich sollte man in Kenia als Weißer nämlich kein Obst und Gemüse essen, was nicht entweder geschält oder gekocht ist, Milch und Eiswürfel sind tabu und auch nur gefiltertes Wasser geht. Schon ein bisschen complicated, hier gibtś aber Essen mit westlichem Standard, kann also alles gegessen werden.
Sven hat uns eine kleine oder auch etwas längere Einweisung in Land, Leute, Kultur, Sicherheit und unsere Arbeit gegeben. Das war echt mega gut. Extrem interessant und ich fand den Tag auch wirklich schön, Sven ist unglaublich nett, redet viel, was ich mag und es war einfach ein richtig netter Tag, aber so gegen 2 dachte ich, ich kann nicht mehr. Ich musste mich so zusammenreißen, dass mir nicht am Tisch die Augen zufallen. Also die Müdigkeit ist heftig! Hilft allerdings dabei, bei dem Lärm hier trotzdem gut zu schlafen, hat also auch positive Seiten

9.8.15 11:07, kommentieren